Cárpadosía Chapter II
Of The Aér'ai'chanía
by Artimidor Federkiel

aßt euch jedoch eines gesagt sein, Kinder der Großen Mutter, denn so wollen es die Aeolía der Avá: Euch Irdischen mag es ganz und gar sonderlich dünken, wie die Eine und Einzige durch sich selbst geboren ward und noch ungereimter wohl, wie sich in ihrem Traume sodann die Aér'ai'chanía gleichsam aus dem Nichtse zur Grundfeste eures Tuns und Lassens erheben sollten (welches Wort noch an euch zu tragen ist). Noch waren zur Ersten Stunde die Irdischen nicht dem Traume entsprungen, um das himmlische Werk bestaunen oder gar es begreifen zu können, denn die Aeolía, die Ersten Gedanken der Avá, waren noch ganz bei sich. All jenes, das die Irdischen später in ihren eigenen Ursprunge hineindeuten würden, sollte Stückwerk bleiben, denn das Sein der Weltenkinder war vom Anbeginne an nicht dazu auserkoren, den Grund, die Weite und die Tiefe in den Aeolía des Alls, dergestalt es die Große Mutter erträumte, auch nur im Keime zu ermessen. Darum erscheint auch die Erzählung von den Aér'ai'chanía als nicht mehr denn ein Schleier vor den Augen der Weltenkinder, ein Schatten des Traumes der Avá, ein bloßer Fingerzeig zu den großen Taten der Ersten und Einzigen, nicht aber als das Wahre und das Wirkliche, das zu Erfassende und Schaubare. Solcherlei träumte es Avá, indes ihr Traum war ein gänzlich anderer denn die Worte, welche ihn für die Irdischen erahnbar machen wollen, wenn auch nur die Worte es sind, welche dem Traume Inhalt und Bedeutung geben, doch Inhalt und Bedeutung bloß für die Irdischen allein. Wisset: Die Wahrheit ist das gänzlich Andere des Wirklichen ebenso wie Avá das Andere der Welt ist. Der Traum selbst ist für die Diesseitigen ganz und gar ohne Belang und allein die Mutter weiß ihn zu deuten, für sich und für die Ewigkeit.

    Drum horchet zu, doch habt Bedacht zu begreifen, denn so es heißt fürderhin:

    Gleich wie Avá im Traume zu ihrem Ebenbilde ward, als sie sich selbst schaute und sich dergestalt zum ersten Male gleichsam zu sich selbst verhielt, ebenso geschah es mit dem Bildnis, als es ward: Das Abbild nämlich, es zeigt ebendies Verhältnis der Avá zu ihrem Bilde und indem es dies zeigt, ist des Bildes Verhältnis das Bild selbst, dies freilich nur im Angesichte der Avá. Deswegen ward das Wesen des Bildes in den Aeolía der Avá von einem zu zweien, insofern in einem Verhältnisse beide Seiten geschaut werden. Das Bild, es ist ein Gedanke der Avá, allein sein geträumter Inhalt, der ist zweierlei, und zumal das Abbild sowohl das Eine als auch das Andere in sich schließt, ist alles das Eine und das Andere zugleich, das Andere ist in dem Einem und das Eine in dem Anderen. Und wie sich zur Ersten Stunde das Eine zu dem Anderen verhielt, nun, da es wirklich geworden in der Zeitlichkeit, da brachte der Traum ein dem Verhältnisse Wesenhaftes hervor, welches der jenseitigen Ersten und Einzigen noch fremd war. Dies war das Dazwischen, ein Mittel, ein Verbindendes, das Xeuá wie der Styreer zu sagen pflegt, das Band der Weltendinge.

    Denn dies Band ist jenes, ohne welchem das Eine nicht ohne das Andere zu sein vermag und umgekehrt, denn das Eine wäre nicht es selbst ohne das Andere, ebenso aber umgekehrt, gleichwie Avá nicht sie selbst wäre ohne den Traum der Träume und umgekehrt. All dies aber liegt im Xeuá verborgen: jene dem Xeuá innewohnende Stärke, die vom Augenblicke des Zur-Welt-Kommens der Aeolía die Dinge durchwirkt, jene Kraft, die von den Axhái auch das Hohe Gesetz, só Mél'Rói, geheißen wird, das einzige Gesetz, über welches die späteren Weltenkinder nicht verfügen können sollten. Denn in der Freiheit der Kinder liegt es bloß, sich innerhalb der Grenzen des Mél'Róis zu verhalten, des Gesetzes von der Gegensätzlichkeit der Dinge und der Vermittlung des Getrennten im Dienste des Gemeinsamen. So will es der Erste Gedanke der Avá, der in die Welt kam.

    Das Band nun, das Mittel, das Verbindende, es gleicht einer Brücke, die zwei Ufer zueinanderführt, und von beiden Seiten kann der Wandrer hinüberschreiten, zumal das Dazwischen zwei Wege kennt, den Weg vom einen Ufer zum anderen und den vom anderen Ufer zu dem einen, wenngleich beide Ufer dieselbe Welt bedeuten. Darum ist die Welt eines, und doch ist sie nochmals sie selbst, also ein Doppeltes, und da das Zweifache sich im Dazwischen zueinander verhält, auf dem einen und dem anderen Wege, ist die Welt zudem ein Vierfaches. Darum nennen die elfischen Kinder den Traum der Träume, das Bildnis der Avá, auch Aér'ai'chán, das Allererste-von-Allem, insofern es eines ist, bisweilen auch Aér'ai'chanía, sofern das erste und einzige auch vier ist, und diese vier heißen sie: só Avásh als das Eine, sá Mód als das Andere des Einen, sá Már als das Xeuá zwischen dem Einen und dem Anderen und zuletzt só Efér als das Xeuá zwischen dem Anderen und dem Einen. Die menschlichen Weltenkinder hingegen, mißachteten vom Anbeginne an stets das Eine, das den vieren zugrunde liegt, und sie sollten auch das zweite in seiner Bedeutung überschätzen, denn ihr Wesen ist das Viele und ihr Begreifen in der Hauptsache auf das gerichtet, was ihnen die Anschauung lehrt. Derowegen gaben sie bloß den vieren allesamt menschliche Namen, und ihre Gelehrten sollten sie später die Ersten Prinzipien des Seins nennen oder gemeinhin die Elemente, und die Elemente, die nannten sie: Luft - ein gar fälschlich Wort für des Windes Tun -, Erde weiters, Wasser zudem und Feuer am Ende.

    Zuallererst träumte Avá von só Avásh, dem Winde, welcher in anderen Überlieferungen auch als der nie versiegende Odem der Träumerin, als des Lebens Atem, gilt. Der Wind mithin, so sagen die Alten, ist von allen Elementen jenes Element, welches den Aeolía am nächsten kommt, er sei die Form ihres Traumes in der Welt. Deswegen gleicht auch das elfische Wort Avásh dem Worte für die Träumerin in der Schrift beinahe zur Gänze, allein es wird ausgesprochen wie ein scharfer, frischer, lebendiger Luftzug, während das Wort, das uns die Träumerin bedeutet, selbstgenügsam schweigend in sich ruht.

    Só Avásh kam zur Welt, und mit dem Winde kam das rastlose Herumschweifen der Aeolía in dieselbe, die Wahrheit der mütterlichen Inspiration über die Dinge, das Geleit des Ewigen für das Zeitliche: Als die Hohen Spähren sind die vielfältigen Erscheinungen des Windes bekannt, als sóh Aviaría, denn obwohl der Wind von der Mutter selbst kam und er so wie sie eines ist, ist sein Äußeres in der Welt gleich das seiner Mutter mannigfaltig. Dennoch: Im beständigen, sich selbst anspornenden Spielen und Wirbeln der Sphären, im unentwegten Sturme der Aeolía um- und miteinander in der Welt, bringen die Aviaría immer wieder aufs neue das Einzige, Herausragende hervor, das über und hinter dem Einzelnen steht und wacht, die Einzigartigkeit eines jeden besondren Gedanken der Avá. Só Avásh ist auserwählt, die Gedanken der Avá in die Welt hinaustragen: Deshalb ist er gefeit gegen die Unruhe der anderer Elemente, zumal er diese Unruhe selbst ist, sie erst an die anderen Elemente weitergibt, er, só Avásh, als das Welten-Bewegende. Só Avásh singt mit seiner mächtigen Stimme das Lied vom Werden, dessen Urgrund er ist, die sich ständig wandelnde Sphärische Melodie; indes, die Töne, die er pfeift, bleiben stets dieselben: einmal schallen sie harmonisch und genehm in das Weltengefüge hinaus so wie den Kindern wohl die Weisen eines meisterlichen Bänkelsängers dünken mögen, ein andermal gellt die weltliche Melodie ungereimt, heulend und schreiend, ja unerträglich schmetternd als ob ein Stümper sich an dem Instrumente versuchte - doch dieser Art ist das Wesen der Hohen Sphären, dergestalt erklingt das Lied der Aviaría, so ist der Lauf der Welt. Laßt Euch gesagt sein, Töchter und Söhne der Großen Mutter, welchem Elemente ihr auch zugehört: Avásh weht allüberallhin. Ob lärmend oder sacht, wehklagend oder frohlockend, nirgendwo will seine Unrast je ein Heim finden, ja, Avásh weht ewig im Dienste der Ersten und Einzigen als das Gesicht der Einen in der Welt. Auch wenn die Geschöpfe über sein zweites unauslöschlich Gesicht, sein Sich-Verstreuen und seine angsteinflößende Allgegenwart im Vielen der Sinnesdinge, unentwegt jammern und weinen: Avásh, der Odem oder der wirkliche Gedanke der Träumerin, er lehrt das Große und das Hohe, und doch wird er von den Unwissenden als das Nichts selbst empfunden - wie dem auch immer sei, dies ist sein Schicksal. Allein, es ist nur ein Gedanke unter den ungezählten Aeolía, daß die Menschen das Wesen des Windes nicht begreifen wollen, als vielmehr an die Luft als das geistige Element glauben und den Wind erst aus der Unbewegtheit der Luft entstehen sehen. Aber auch dies gebietet der Traum der Avá, und so soll es sein für die Ewigkeit.

    Sodann entsprang aus des Windes Walten só Avásh, die Erde, sá Mód, denn im Traume sah Avá sich selbst träumen, und da sie sich im Traume als den Gedanken ihrerselbst gewahrte und erkannte, wie sie träumte, da ward aus dem Traum vom Spiegelbilde das Spiegelbild in der Wirklichkeit. So geschah es, daß die Erde zu jenem Elemente ward, das dem Winde gegenübergestand, in demselben Augenblick, da auch der Wind ward. Sá Mód, die Erde: Sie ist das einzige Element, das dem Winde fürwahr Einhalt zu gebieten vermag oder ihm vielmehr seine Schranken in der Werdenswelt weisen darf, all dies jedoch nicht auf lange Zeit (denn der Wind ist unzähmbar in seiner unvergleichlich Allmacht) wohl aber für einen kurzen Augenblick in des Werdens Vergänglichkeit. Den Wind allerdings zu übertrumpfen, dafür hat die Erde keinerlei Mittel, ist sie doch aus dem Winde entsprungen als sein Anderes und dergestalt nur eine Notwendigkeit für des Windes Herrschaft, das stete Abbild seiner sich unausgesetzt bewegenden Gedanken.

    Mit dem Winde kam auch sá Mód zur Welt und mit der Erde kam die Beständigkeit des Seins in dieselbe, die greifbare Substanz der Dinge, das Zeitlich-Vergängliche, welches sich zum Immerwährenden verhält, da es nur durch das Immerwährende das ist, was es ist, das wesenhaft Währende nämlich. Und so wie der Wind die Vollkommenheit der Aeolía ist, aber in der Welt für sich genommen nur ein kümmerliches Nichts, ebenso ist die Erde Vollkommenheit, doch sie ist Vollkommenheit der Substanz, allein die Substanz bedeutet dem Geistigen auf umgekehrte Weise gar nichts. Denn ist der Wind die Unschuld, die Leichtigkeit und das Schwerelose, so ist die Erde Schuld, Starre und das Unbeugsame schlechthin: Liegt im Wehen des Windes das Spendende, das Leben und das Entstehen, so verheißt die Unbewegtheit sá Móds nur den Tod; wiewohl vielerlei Erzählungen, im besonderen solche der Zwergenrasse, von alledem gar nichts wissen wollen - doch der Stein, den die Zwerge verehren, er ist in Wahrheit nur das Abbild des Windes, ein steter Moment in der immerwährenden Veränderung hin zum Einen.

    Begreifet also, Söhne und Töchter der Avá, welchem Elemente ihr auch angehört, daß Wind und Erde beide Spiegelbilder der Einen sind, daß indes die Erde zudem den Wind wiedergibt. Darob begann auch das ewige Ringen der Elemente, zumal sich ihr Wesen gänzlich voneinander unterscheidet: Sá Mód dünkte sich mächtig als sie ward, mächtig und unantastbar, voll und vermögend, war sie doch unverwüstlich und stark, hart und beharrlich gegenüber dem wirbelnden, sich ständig verlaufenden Nichts só Aváshs. Daher hob die Erde an, den Wind herauszufordern, ja mehr noch, ihm gar zu trotzen wo sie nur konnte, doch insgeheim begann sie im Trotze zugleich ihn zu bewundern und zu würdigen. Eine gar merkwürdige Fehde ergab sich da, fürwahr, denn só Avásh tat ein Gleiches mit der Erde:

    "Mein Wille ist eisern und meine Stärke ohne Vergleich", sprach sá Mód und ihre Stimme bebte. "Was vermag dein unentwegtes liederliches Pfeifen über meiner unbeugsam Mächtigkeit denn andres als ein wenig Staub von meiner Schale zu kratzen? - Wiewohl: Was will deine Lächerlichkeit mit dem Staube? Er ist nur ein Funke dessen, welches ich in meinem Innren hege, ein Innres, welches dir nicht beschieden ist, vergänglicher Geselle, denn du bist nur das Äußere. Ein Äußeres aber, welches das Innere nicht in sich birgt, was mithin ist dies andres denn das Nichts?" Und das Gelächter der Erde war abgrundtief und mochte schier nicht verstummen.

    Da erhob sich der Wind und sein schrilles Pfeifen zerschnitt das irdene Beben: "Aus dir spricht die Überheblichkeit. Wisse, Steinerne, daß dein Urteil nur die Erscheinung kennt, nicht aber deren Grund! Dein Grund aber bin ich und als solcher bar jeglicher Vergänglichkeit, welche allein dir beschieden. Höre darob, daß deine Stärke allein durch mich Bestand hat, denn wäre der Gedanke deiner Stärke nicht in mir, so wärst auch du nichts weiter denn Staubkorn an Staubkorn. Nichts andres bist du fürwahr, Steinerne, bloß Staub, und mit dem Staub zu wirbeln ist für des Windes Walten ein recht einfach Spiel..." Só Avásh widerstand den Drohungen der Erde vermittels der Hohen Sphären, der edlen Aviaría, und hielt sá Mód ihre Mängel und ihre Beschränktheit im Vergleiche zur Allmacht der Gedanken der Avá vor - aber konnte dennoch nicht anders, als sie im Streite aufs Innigste lieben zu lernen, da sie doch zu gleichen Teilen aus der Ersten und Einzigen hervorgegangen war wie der Wind selbst. Allein diesen Gedanken behielt der Wind für sich und auch, daß er selbst ohne der Erde Trotz seiner Allmacht beraubt wäre.

    "Genug Eurer langweiligen Rede", ätzte sá Mód hartnäckig, "Laßt uns nun sehen, wer von uns beiden der Stärkere ist!"

    Und aus der Erde stob zum ersten Male só Efér, das Erdenfeuer: In seiner Glut lauert die Leidenschaft der Substanz selbst, seine Flamme züngelt verlangend dem Winde entgegen, begierig, das Wesen des Windes zu durchdringen, es fürderhin in sich zu schließen und zum Unbewegten zu bekehren - auf daß der Himmel erstarre und der Erde zu Diensten wäre. Darob will sá Mód seither den Wind nicht nur für sich gewinnen, sie will ihn gar vernichten - zumal es seit jeher ein Gedanke im Traume der Avá, daß das Verhältnis zwischen der Erde und dem Winde beides zugleich verheißt: Zerstörung und Zuneigung, Trennung und Versöhnung, Haß und Liebe. Und dies Verhältnis im ersten, welches der Widerstreit des Alls ist, sollte auch später noch und immer wieder lebendige Früchte zeitigen, die Früchte des Lebendigen im elementaren Mit- und Gegeneinander des Geschlechtlichen, dem Spiegel der Welt. Und so wie damals am Anbeginne der Zeiten stürzen auch am heutigen Tage sá María, die Wasser, vom Himmel auf die Erde, um dem Feuer Einhalt zu gebieten: Aus den Hohen Sphären entsprießt eine Unzahl von Lebensbringern, der himmlische Regen, welchen die Sphären selbst hinuntertragen, um der Erde zu begegnen, damit Neues daraus entstehe. Das Wasser, es ist ein gar flüchtig Ding, ist es doch im Grunde Geist, und ohne die Erde das Nichts, aus dem es gekommen; allein die Erde ist dem Regen ausgeliefert, und der Erde Aufbegehren wider das Himmlische zu einem unmöglich Unterfangen verdammt. Darum sind sich Wasser und Feuer vom Anbeginne an feind: Während das eine das Leben spendet, so nimmt es das andere, niemals aber vermag das Brennende über das Fließende siegreich zu sein. Doch der Widerstreit der Elemente sollte das Werden auf immer durchwirken, und die Xeuaía mit Unruhe erfüllen.

    Gerade so geschah es, nämlich daß von der Ersten Stunde an im Traume der Avá, im Reiche des Windes und der Erde, das Feuer, só Efér, und das Wasser, sá Már, die Herrschaft an sich rissen, denn sie stehen dazwischen, inmitten des Tobens des Windes und der Beharrlichkeit der Erde. Nur Ihnen obliegt es, im Streite das Gleichgewicht zu wahren, denn dem Werdenden mangelt es im Wirklichen an der Reinheit und Einfachheit des Sphärischen, zu sehr verstreut das Viele im Irdischen die Gedanken der Ersten und Einzigen. Darob begann der Kampf der Aér'ai'chanía zur Ersten Stunde, der Kampf wider das Gegenüber im Grunde, der Kampf, dessen Bestimmung es ist, niemals enden zu dürfen. S'O'krói tauften die Axhái mithin die Welt, s'o'krói heißen sie sie, dem immerwährenden Kampfe gemäß, und s'O'krói will beides heißen: das Leiden und die Veränderung, und beides gehört allein in diese Welt.

    Das Lebendige, hingegen, so träumte es Avá als die Götter später in ihre Gedanken traten, dies sollte eine Mischung sein, ein Xeuá, eine Mischung aus dem Winde und der Erde, aus dem Leben und dem Tode, mithin aus dem feurigen Elemente und demjenigen, welches das Feuer zu besänftigen versteht. Diese Mischung liegt im Mél'Róis, dem Ersten Gesetz, verborgen, und sie ist dessen innerste Notwenigkeit laut dem Traume der Avá. Des Windes Wille nämlich, welcher die Weisheit und das Werden in sich trägt, welcher scheinbar leicht und ungebunden über die Erde fegt, sein Wille ist es, Leben zu säen, mithin das Vergängliche zur Welt zu bringen, damit es das Ewige ehre. Denn wäre der Wind nicht, der den Samen in die Erde setzt und das Gedeihende zu sich hinaufzieht, so wäre die Erde ein gar kümmerlich Ding. Doch wäre auch des Windes Wehen umsonst, gäbe es da nicht den Samen, welchen die Erde sich vom Winde entreißen lassen muß, sodaß dieser ihm die Aeolía zu lehren vermag. Vom ersten Augenblicke der Welt an kann des Windes Melodie nicht ohne die Erde sein, an der sie widerhallt, gleichwie die Erde als sich der Wind über sie erhob nicht ohne ihn zu sein vermochte, hätte doch ohne die Unruhe só Aváshs die Beharrlichkeit sá Móds keinerlei Bedeutung. Im Winde ist die Erde und in der Erde der Wind, weder dort noch da in der Substanz, wohl aber schlummert in beidem die Vorstellung des ihm Anderen. Nun jedoch, da das Eine von dem Anderen wußte und das Andere von dem Einen und da beides aus den Aeolía der Avá zur Welt gekommen und wirklich geworden, da zog es das Eine stetig zu dem Anderen hin und das Andere ebensosehr zu dem Einen, nur um sich des Eigenen gewärtig zu werden, jenes Eigenen, das sich von dem Gegenüber so ganz und gar unterschied. Das Xeuá aber hin zum befreiten Wehen des Windes und dem Wachsen der Aeolía in den Dingen gleichwie das Xeuá hin zur Beständigkeit der Erde, des Erstarrens jener Aeolía in der Welt, beide Xeuaía, sie vermitteln das Werden der Welt und den Widerstreit in den Sinnendingen. Und wie der Gedanke der Avá ein doppelter ist, so sind die Erscheinungen des Xeuáll gleichermaßen zwiefach: Zum einen erscheint das Xeuáll im flammenden Willen des Feuers, begierig darauf, hinauf in die Höhe zu wollen, zum anderen in der stärkenden Sanftheit des Regens, welcher hinunter zur Erde muß. Beides mithin ist ohne das andere ein undenklich Ding. Nur beide Aér'ai'chanía gemeinsam drehen das Rad der Zeit und nur durch ihren Widerspruch schöpfen sie die Kraft, aus dem Sein ein Werden erstehen zu lassen.

    Avá lächelte wissend in ihrem Schlummer. Denn sie sah mit Wohlwollen, wie die Aér'ai'chanía sich aus ihren Gedanken schälten, sich zu formen begannen und wie sie ihr huldigten, indem sie untereinander stritten, wer von ihnen der edlere sei. Avá sah, wie die Hohen Sphären zu Werke gingen in der Welt und wie sie sich selbst in der Vielheit immer wieder auf ein neues gebaren, wieder und wieder, wieder und immer wieder.

    Indes, so heißt es, hegte die Eine und Einzige als der Traum voranschritt zwar Wohlgefallen in sich, doch dünkte ihr diese Zufriedenheit keineswegs vollkommen. Ja, sie zürnte mitunter gar ob der Unordnung, die das All durchherrschte und die sich im Widerstreit der Elemente mehr und mehr ausbreitete, welches ihrem Wesen ganz und gar nicht entsprach: Unmäßig und zügellos tobte der Kampf zwischen den Elementen mitunter, obgleich er in seinem immer wiederkehrenden Neubeginn für die Eine und Einzige ein unbeschreiblich schöner Anblick war: ein Schauspiel des Wachsens, der Zerstörung und der Wiedergeburt des Vernichteten, ein elementares Treiben ohne Gleichen in den Weiten des Alls. Sturm tobte, zischende Feuersäulen schoßen aus den irdenen Massen, nur um von den himmlischen Wassern erdrückt zu werden, und die Erde brach vom Winde gepeitscht auseinander. Gar fürcherlich erklang im Wüten der Aviaría die sphärische Weise und wiederholte sich in immer unstimmigeren Rhythmen aufs neue, bis zur Unerträglichkeit. Dennoch wollte die Avá dies alles nicht mehr missen, allein ihr Traum sollte sich wandeln.

    Und so kam es, daß die Eine und Einzige - als sich die Erste Stunde dem Ende entgegenneigte - die mächtigsten Hohen Sphären zu sich zurückrief: Den Ersten der Aviará, den ursprünglichsten und reinsten Aeolía, all jenen, welche sich nunmehr in der Welt versucht hatten und die im Werden getränkt, ward geheißen, zum höchsten aller Gedanken, zur Avá selbst, zurückzukehren. In der Tat, so geschah es, und die Aeolía kehrten heim an den Schoß der Großen Mutter, versammelten sich um Avá, damit sie gemeinsam ihrer Stimme lauschten, die ihnen die Welt verhieß, so wie sie war, wie sie ist und sein wird gemäß dem Willen der Einen. Also träumte Avá.

 


Summary Cárpa'dosía II: Of the Aér'ai'chanía

As Avá dreamed of herself the picture she dreamed of showed Avá, but it showed Avá dreaming of her picture. Therefore the picture Avá viewed was one but it was two also, for it showed the relation of Avá to her mirror inside the mirror. This relation the Axhái, the elder elves, call the Xeuá, the Connecting, the Middle and the Xeuá should become the central nature's law: the High Law. The Xeuá, it is like a bridge, you can cross a bridge in two directions, from one shore to the other and the other way round, but you always remain on the same world. So the world is one as it is the dream of Avá and the world is two as the mirror shows two, Avá and the mirror she's viewing, and the world is finally four as there are two Xeuáia (pl. of Xeuá), leading in two different directions between Avá and her picture. This is why the world is called Aér'ai'chán (the First-Of-All), but also Aér'ai'chánia as the First-of-All consists of four principles. These four High Principles the elves call só Avásh as the One, sá Mód as the Other of the One, sá Már as the Xeuá between the One and the Other and finally só Efér as the Xeuá between the Other and the One. The humans call the High Principles the Elements, and the Elements they call air (a wrong term for the wind), earth, water and fire.

The most part of the chapter is dedicated to the description of the elements and their relations. The main conflict in the world arises as wind and earth fight to gain dominance over each other (therefore the elven term for "world" is "ó'krói" meaning "everlasting war"), but the fight cannot have a winner as it is the pulse of the universe.

Avá smiled as she saw the fight as it payed homage to her, but on the other hand she wasn't satisfied at all for there was nobody who arranged the chaos. So it is said that Avá called the highest Winds (the Aviará or the High Spirits) back to herself, so that they would hear the voice of the Mother of All.